Am Vorabend
Endlich, es ist soweit. Wir sitzen noch einmal zusammen, um wichtige Verhaltensregeln zu besprechen. Es soll ja nichts schief gehen in den nächsten 5 Tagen.
Dienstag 26.05.09
Wir haben gut gefrühstückt und schreiten voller Tatendrang hinaus, um unsere Pferde zu holen. Sie erhalten noch einmal Kraftfutter, werden geputzt und gesattelt. Jeder hat nur das eingepackt, was in zwei Satteltaschen passt, und natürlich noch den Regenmantel, den wir hoffentlich kaum brauchen werden.
9.45Uhr setzt sich der 16-köpfige Tross in Bewegung. Der Himmel ist stahlblau und die Sonne lacht uns zu. Es wird ein sehr warmer Tag werden.
Unser Wanderreitführer ist wieder Peter auf Booger, dann folgen Katrin auf Misty, Andreas auf Jo-Jo, Elke auf Aurea (alles Foxtrotter), Anne auf Jimmy und Steffi auf Jonny (beides Quarter Horses), Geli auf Trixi (ein Traber-Mix) und Kraft auf Flic-Flac(ein Trakehner-Mix), die gute Seele unserer Gruppe als Nachhut, die natürlich nicht fehlen darf.
Wir reiten auf naturbelassenen Reitwegen durch den Tharandter Wald Richtung Klingenberg.
Steffi hat Probleme mit Jonny, aber nach einigen richtungweisenden Worten, läuft er wie am Schnürchen.
Leider haben viele Gaststätten am Dienstag Ruhetag. So kommen wir aber in den Genuss eines Highlights: Picknick auf der Wiese des Naturerlebnishofes „Weidegut“ in Kolmnitz. Nur der Himmel meint es nicht so gut. Ein erstes Gewitter bricht über uns auf dem Weg zur Krönertmühle herein. Über Sohra und Bobritzsch, werden noch zwei weitere folgen. Da aber zwischendurch die Sonne immer wieder scheint, kann uns das nicht unsere gute Laune verderben. Nach ca. 42km erreichen wir unser Tagesziel. Kaum, dass wir im Trockenen sind, ziehen weitere Gewitter herauf.
Anita kommt mit dem Pferdehänger und holt Aurea wieder ab, damit es für die werdende Mutter nicht zu viel wird. Dafür bringt sie Muchacho,einen anderen Foxtrotter, mit. Katrin fährt auch wieder mit zurück. Ich werde Misty weiter reiten.
Nachdem unsere Pferde versorgt sind, können wir auch den gegrillten Würstchen zu Leibe rücken.
Gegen 22.00Uhr fallen fast alle müde in ihre Betten.
Mittwoch 27.05.09
Die Wirtin der Krönertmühle hat den Frühstückstisch reichhaltig gedeckt. Wir essen ausgiebig und bereiten dann unsere Pferde für den weiteren Ritt vor. Es wird wieder sonnig und warm werden.
10.15Uhr brechen wir in Richtung Burgersdorf auf. Pferde auf den Koppeln wiehern uns nach. Es geht über die Kammstrasse nach Dorfchemnitz. Unterwegs stehen im Wald rechts und links unseres Weges viele ca. 2m hohe geschnitzte Holzfiguren. In Dorfchemnitz lassen wir unsere Pferde auf einer mit Wildblumen bewachsenen Wiese grasen. Die angrenzenden Gaststätte, in der wir zu Mittag essen wollen, macht leider erst 16.00Uhr auf. So reiten wir nach einer kurzen Pause nach Voigtsdorf. Hier befindet sich die „Alte Mühle“. Auch diese Gaststätte öffnet eigentlich erst 16.00 Uhr. Aber wir haben Glück, denn für hungrige Wanderreiter wird auch schon mal eher geöffnet. Die Pferde sind durstig. Wir erbitten uns einige Wassereimer und tränken sie aus dem nahe gelegenen kleinen Bach. Selbst können sie nicht hinein, denn das Ufer hat scharfkantige Steine.
Dann sind die bestellten Knoblauchwürste und Wiener warm und wir können selbst essen. Es ist sehr schön hier und wir könnten uns vorstellen, beim nächsten Ritt hier etwas länger zu verweilen und unser Nachtquartier hier aufzuschlagen.
Die Pferde dösen im Schatten als wir gegen 15.30Uhr nach Sayda aufbrechen. Die „Halang`s Station“, eine originelle Blockhütte, erreichen wir gegen 18.00Uhr nach ca.29km.
Im Vorfeld wurde hier eine Pferdekoppel gebaut und Nahrungsmittel für`s Abendbrot und Frühstück beim Besitzer der Hütte eingelagert. Das Wasser holen wir von einer alten Pumpe. Mit einem kleinen Trick füllen wir den Kanister auch ohne Trichter. Man muss sich nur zu helfen wissen. Es sind viele Kanister nötig, um die Wasserbottiche für die Pferde zu füllen. Die Männer haben inzwischen das Abendbrot vorbereitet. Es wird gegrillt. Plötzlich gibt es Bewegung auf der Pferdekoppel. Denn Muchacho, von Booger getrieben, kriecht einfach unter dem Koppelzaun, der stromlos ist, hindurch. Er marschiert immer wieder raus und rein. Bevor die anderen Pferde es ihm nach machen, müssen wir ihn an einer anderen Stelle unterbringen. Inzwischen werden die Schlafplätze verteilt. Ich habe Platzangst und schlafe lieber auf einer schmalen Bank, als in einem für mich zu niedrigen Schlafraum. Da ich aber die Einzige mit dieser „Magge“ bin , sind die Plätze schnell verteilt. Es ist alles sehr spartanisch. Für Kraft bleibt nur die Bank im Freien neben dem Feuer. Es wird eine kalte Nacht.
In der Nähe ruft ein Käuzchen und eine kleine braune Maus mit einem dunklen Alstrich auf dem Rücken flieht schnell in ein sicheres Versteck.
Donnerstag 28.05.09
Um 7.00Uhr stehen wir langsam auf. Der Toilettengang auf den „Donnerbalken“ lädt nicht zum Verweilen ein. Auch das Waschen im Freien mit dem kleinen kalten Rinnsal aus dem Kanister bringen wir schnell hinter uns.
Während zwei sich um das Essen und das Feuer kümmern, füttern, putzen und satteln die Anderen die Pferde. Booger hat eine Verletzung auf dem Rücken. Wenn sie ihm Schmerzen bereiten sollte, wird ein anderes Pferd an seine Stelle treten müssen.
Frühstücken im Freien, ums Feuer sitzend, den heißen Kaffee- oder Teepott in der Hand,schweigend dem morgendlichen Gesang der Vögel lauschend, so stellt man sich Wanderreiten vor. Eine kleine grüne Raupe inspiziert den Teller von Kraft.
Lange sitzen wir nicht, schnell noch Wasser zum Aufwaschen über dem Feuer warm gemacht und alles wieder in Ordnung gebracht, damit auch die Nächsten sich wohl fühlen können.
9.45Uhr verlassen wir den romantischen Ort in Richtung Seiffen. Leider verlässt uns nun das schöne Wetter und es beginnt zu regnen.
Was wir noch nicht wissen: der Regen wird uns bis zum Ende der Reise nicht mehr verlassen.
In Oberneuschönburg versuchen wir durch den Grenzfluss auf die tschechische Seite zu kommen. Bald merken wir, dass es nicht weiter geht. So müssen wir zurück. Peter versucht mit Booger, bei dem die Verletzung doch nicht so schlimm ist, erst einmal allein einen Weg zu finden. Dann folgen wir ihm durch das Wasser, langsam, hintereinander mit großem Abstand. Auf der anderen Seite warten wir, damit die zurückgebliebenen Pferde nicht in Panik geraten. Nun sind wir in Tschechien. Hier gibt es keine Reitwegekarten und so sind unsere Versuche weiter zu kommen oft mit einem Umkehren verbunden. An einer Stelle gibt es saftiges Gras für die Pferde. Nach einer Kurzen Pause steigen wir nicht wieder auf, sonder führen unsere Vierbeiner bis zur nahe gelegenen Gaststätte in Deutsch-Katarinenberg. Da es schon 13.30Uhr ist und es aufgehört hat zu regnen, wollen wir im Freien zu Mittag essen. Aber die Freude hält nicht lange an. Schon beginnt es wieder zu tröpfeln. Wir binden die Pferde an Bäume an und essen ausgiebig in der Gaststätte. 16.30Uhr reiten wir nach Kliny weiter. Ab und zu reißen die Nebelschwaden auf und machen den Blick auf eine wunderschöne Gegend frei.
Am Ortseingang begleiten uns hinter einem Zaun drei herrliche Pferde. Voran mit Imponiergehabe ein imposantes Kaltblut mit wehender heller Mähne.
18.00Uhr erreichen wir völlig durchnässt unsere Unterkunft. Unsere Gastgeber helfen uns beim Absatteln. Dann führen sie uns zur Koppel, auf der unsere Pferde die Nacht verbringen sollen. Um dort hin zu gelangen, durchqueren wir eine vorgelagerte Koppel. Plötzlich kommen die drei Pferde, die wir schon am Ortseingang gesehen haben, aus dem Nebel auf uns zu. Es ist wie ein Traum. Jäh werden wir aus diesem gerissen, als wir merken, dass uns jetzt kein Zaun mehr trennt. Ich halte Misty fest. Sie läuft im Kreis um mich herum und hinter ihr her der große schwarze Friese. Ich brauche einen Moment bis ich mich besinne und versuche mit dem Ende des Führstrickes den Fremden zu verjagen. Es ist ein richtiger Tumult. Gut, dass die Pferde trotzdem alle friedlich bleiben. So können wir sie ohne Verletzungen trennen. Aber es hätte schlimm ausgehen können.
32km liegen heute hinter uns. Wir freuen uns auf Knödel mit Gulasch und eine warme Dusche vorm zu Bett gehen.
Freitag 29.05.09
Auf der vom Sturm gepeitschten Esche vor unserem Fenster sitzt ein Buchfink. Sein helles Lied weckt mich am frühen Morgen. Es ist 5.30Uhr. Ich stehe auf und gehe mich waschen. Wir wollen heute zeitig aufbrechen, da ca. 40km vor uns liegen. Ein sehr reichhaltiges Frühstück erwartet uns. Auch selbst gemachter Ziegenkäse und Nutella verwöhnen unsere Gaumen. Noch regnet es nicht. Doch als wir die Pferde holen, beginnen die Mächte der Natur, über uns herein zu brechen.
Ein kalter stürmischer Wind, Nebel und Regen versagen uns den wild romantischen Weg durch die Schlucht. So kämpfen wir uns rechts der Straße auf dem Grünstreifen ins Tal. Lichtet sich der Nebel, können wir den riesigen Flaje-Stausee sehen. Wir reiten über die Staumauer. Plötzlich reist eine Windböe fast unsere Hüte weg und die Pferde drehen ihr Hinterteil in den Wind. Auf der Oberfläche des Sees haben sich kleine Schaumkronen gebildet. Am Ufer löschen ein paar Rehe ihren Durst. Was wäre das für ein Bild bei schönem Wetter.
Endlich erreichen wir den schützenden Wald. Hier kann uns der Sturm nichts anhaben. Zwei Hirsche, noch im Bast, verschwinden im Hochwald. Überall zwitschern und singen die Vögel.
Auf der Hochebene ergreift uns wieder der Sturm. Der Galopp über die traumhaften weiten Flächen ist in diesem Jahr kein Highlight sondern eine Strapaze. Dann steigen wir nach Moldawa hinunter. Nass und frierend erreichen wir gegen 12.15Uhr die Gaststätte zum Mittagessen. Die Pferde können auf der Wiese grasen. Der Wirt entzündet ein wohliges Feuer im Kamin, dass nicht nur uns wärmt, sondern auch unsere Sachen trocknet. Einige heiße Tees wärmen uns von innen.
15.00Uhr geht es weiter. Durch den Regen ist der Boden sehr aufgeweicht. Trotzdem können wir auf einigen Wiesen galoppieren. Aber wir sind dann doch froh, als wir nach 40km Tagesritt im Regen die Ferienpension „Laura“ in Hennersdorf erreichen. Die Pferde werden gefüttert und auf die Koppel gebracht. Anita bringt Aurea und nimmt Jimmy mit. Morgen werden wir in zwei Gruppen reiten: die Dreigänger mit Kraft und die Viergänger mit Peter als Reitführer. Anne hat morgen Geburtstag. Mein Geburtstagsgeschenk für sie ist der Heimritt auf Misty. So kann sie doch noch auf einem Foxtrotter reiten. Der Tag war lang und wir gehen zeitig zu Bett.
Samstag 30.05.09
6.30Uhr stehen wir auf und wieder ist es neblig. In gemütlicher Runde frühstücken wir wieder ausgiebig. Dann holen wir unsere Pferde und bereiten sie für den letzten Ritt vor. Gegen 10.00Uhr bricht zuerst Peter mit seiner Gruppe Richtung Heimat auf. Wir folgen ihm eine Viertelstunde später. Der letzte Tag verläuft ganz in Ruhe. Die Pferde haben viel geleistet und einen entspannenden Ritt verdient. Auf schmalen Waldwegen reiten wir hintereinander, wenn es die Wege zulassen auch nebeneinander. Mehrmals überqueren wir die wilde Weißeritz. Da versperrt uns ein Koppelzaun den Weg und wir müssen ein Stück zurück. Neugierig schauen uns die dort grasenden Pferde nach. Sie sind in dem dichten Nebel kaum zu sehen. Es ist urromantisch. Außer dem hellen Lied eines kleinen Vogels ist Stille um uns herum. Wir hören die Schritte unserer Pferde und das Rauschen des Regens, der auf die Blätter fällt. Eine Weinbergschnecke kriecht den Stamm einer Fichte hinauf. Was wird sie wohl da oben wollen?
Überall herrscht Ruhe, die sich auch auf unsere Vierbeiner überträgt. Jimmy, anfangs fast nur im Trab unterwegs, joggt jetzt ruhig unter mir. Es ist angenehm, ihn zu reiten. Auch ein kurzer Galopp kann ihn nicht mehr aus der Ruhe bringen.
13.40Uhr erreichen wir die Gaststätte „Zur Neuklingenberger Höhe“. Nachdem die Pferde gefressen haben, gehen auch wir, um für unser leibliches Wohl zu sorgen. Die Gaststätte ist vom Feinsten und obwohl wir mit unseren nassen Regensachen nicht so richtig hinein passen, werden wir sehr gut bedient.
Nach knapp zwei Stunden hat uns der Regen wieder. Meist reiten wir im Schritt oder Jogg. Der aufgeweichte Boden lässt nichts anderes mehr zu. An einigen Stellen können wir kurz galoppieren. Als wir dann vertrauten Boden erreichen, müssen wir die Pferde immer wieder erinnern, dass immer noch wir das Sagen haben. Sie wollen endlich heim und werden immer schneller.
Gegen 19.30Uhr erreichen wir den im tristen Grau liegenden Hof Andrä. Seit drei Tagen begleitet uns der Regen. Und nun da wir da sind, hört es auf. Es ist nicht zu glauben. Es regnet nicht mehr und ein kleines Stück blauer Himmel lugt zu uns herunter.
Nun wir haben nicht nur durchgehalten, sondern haben uns auch an Dingen erfreut, die uns bei schönem Wetter sicher nicht aufgefallen wären.
Und außerdem, bei schönem Wetter kann ja jeder reiten.
Auf diesem Wege, möchte ich mich vor allem bei Anita Stößer bedanken, die mich durch ihr Können und ihre Geduld dazu brachte, nicht nur auf dem Platz zu reiten, sondern auch am Wanderreiten Spaß zu haben und dass dadurch dieser Ritt und auch der Ritt nach Tschechien im vergangenen Jahr zu unvergesslichen Ereignissen werden konnten.