1. Tag
Am ersten Tag führte uns unser Weg durch bekanntes Terrain vorbei an Feldern und Wiesen. Dabei ging es größtenteils neben Straßen entlang, wo die Pferde auf den Grünstreifen laufen konnten. Weiter ging es am Elbe-Lübeck-Kanal entlang. Nach dessen Überquerung kamen wir in ein Waldstück und unterquerten die A24. Wir kamen an einem Segelflugplatz vorbei und fanden wir einen schönen Waldweg. Dann erreichten wir Brandt´s Gasthof am Drüsensee. Dort legten wir eine Mittagspause ein. Brandt´s Gasthof zeichnet sich durch freundliche Pferdeversorgung aus und ist ideal für Wanderreiter geeignet. Im anschließenden großen Wald gab es gute reitbare Wege. Unterwegs haben wir die ersten Rehe gesichtet. Wir wurden von diesen beobachtet und dann verschwanden sie im Wald. Leider dürfen manche Wege nicht beritten werden, wodurch wir einen leichten Umweg machen mussten. Rechtzeitig erreichten wir unser Tagesziel, den Heidehof in Sterley. Auf dem Reiterhof konnten wir die Pferde auf einer großen Koppel unterbringen. In einem großen Schlafsaal unterm Schrägdach haben wir unser Matratzenlager bezogen. Dafür brachte Anita unsere Sachen und Schlafsäcke. Diese brauchten wir nur diese Nacht. Am Abend saßen wir gemütlich beim vegetarischen Abendessen. Wir hatten auf ein gemütliches Beisammensein mit den Leuten vom Hof gehofft, war aber nicht so.
2. Tag
Als wir früh aufwachten kam gerade ein Regenschauer herunter. Pünktlich zum Frühstück riss der Himmel auf und wir konnten trocken unsere 2. Etappe antreten. Den Eichenhorstwald mussten wir umgehen, da dieser u.a. für Reiter gesperrt ist. Trotz einiger Tourenänderungen fanden wir teilweise gute reitbare Wege. Der Wettergott war uns gnädig. Habe mich wegen des zu erwarteten schlechten Wetters zu warm angezogen. Wir umritten ein See, erreichten die B103 und passierten die ehemalige innerdeutsche Grenze. Von dieser ist heute nichts mehr zu sehen. Nur eine große Tafel weißt auf diese Stelle hin. Somit haben wir Schleswig Holstein verlassen und erreichten Meck-Pomm. Auch haben wir einige Rehe und Feldhasen gesichtet. Plötzlich verlor Aurea ein Eisen. Von da an ging es die nächste Stunde im Schritt bis zum „Alter Gutshof“ in Demmern. Dorthin brachte uns Anita das Werkzeug für die Hufeisen. Die Reparatur war erfolgreich. Das Eisen hielt bis zum Schluss. Auf Grund der Verspätung haben wir uns entschlossen den direkten Weg zu unserem nächsten Quartier zu nehmen. Wir brauchten keine Stunde bis zum „Storchenhof Ciconia“ in Dorf-Nesow. Dort wurden wir auf herzlichste von Monika & Mück sowie Anke begrüßt. Das reetgedeckte Bauernhaus ist ein ehemaliger Reiterhof, heute leider ohne Pferde. Doch die Infrastruktur für Pferde ist noch vorhanden. Mück ist wohl Deutschlands größter Bulli-Fan, wo wohin man schaut findet man den VW-Transporter als Bild oder Modell. Ein richtiger T1 steht auch auf dem Hof. Fahrzeug und Besitzerin sind im gleichen Alter und beide (eigentlich alle drei) sind noch gut in Schuss. Nach dem Abendessen fanden wir uns zu einem gemütlichen Beisammensein mit Monika. Sie ist früher geritten und hat mittlerweile 30 Jahre nicht mehr im Sattel gesessen. Ein Umstand, den wir umgehend beenden mussten.
3. Tag
Nach dem rustikalen Frühstück hieß es wieder Pferde fertig machen. Dann war es soweit: Monika setzte sich nach 30 Jahren wieder auf ein Pferd, auf Memie. Sie sah aus wie ein strahlendes Kind. Die Freude war ihr anzusehen. Doch dann hieß es Abschied nehmen. Der Weg führte uns vorbei an vielen Rapsfeldern, die in voller Blüte standen. Nach Unterquerung der A20 kamen wir an einer Baustelle für Windkraftanlagen vorbei und erreichten ein Waldstück. Im Wald mussten wir die Bahnstrecke Wismar-Rostock queren. Die Anrufschranke war geschlossen und wird nur auf Bedarf geöffnet. Ich betätigte den Rufknopf. Die Stimme des Fahrdienstleiters war aber alles andere als verständlich. Nach einigen Minuten kam dann eine Regionalbahn und die Schranken öffneten sich. Jetzt war es nicht mehr weit bis zum Gasthaus „Unter Den Linden“ in Börzow. Auch hier wurden wir sehr freundlich begrüßt. In dieser urigen Gaststätte ist wohl die Zeit stehen geblieben. Die Karte, die Preise, so ziemlich alles hier erinnerte mich an DDR-Zeiten. Nach der ergiebigen Pause mussten wir zurück durch den Ort. Im Versammelten ging’s einen schönen Waldweg entlang. Weiter ritten wir an vielen blühenden Rapsfeldern vorbei. Dort konnten wir einen Feldhasen beobachten, der in einem solchen verschwand. Auch einen Storch haben wir gesichtet, der unbekümmert auf einem Feld gelandet ist. In Rodolfshagen kamen wir an einer Koppel vorbei, als plötzlich ein Haflinger über den Zaun sprang. Er hatte sich wohl gesagt, da geh ich mal eben mit. Er tänzelte um uns herum und stellte sich mehrmals in den Weg. Während Memie relativ ruhig blieb, wurde Aurea etwas unruhig. Wir setzen aber unseren Weg unbeirrt fort bis endlich die Besitzer im Auto hinterherkamen und den Ausreißer wieder heimführten. Er wäre sicher noch weiter mitgekommen. Ziel der 3.Etappe war Thorsdorf. Hier hatten wir eine Ferienwohnung, die uns die nächsten Tage als Basislager diente. Bei unserer Ankunft wurden wir von einer kleinen „Horde“ von Kindern begrüßt. Die Pferde waren für die Kleinen was Besonderes. Am amüsantesten war aber eines der kleinen Mädchen. Es hatte viele Fragen an uns: Wie heißt denn das Pferd? Warum macht das Pferd das? Was machst Du da? Es war manchmal gar nicht so einfach eine kindgerechte Antwort zu finden. Zum Einkaufen stellte uns der Vermieter sein Fahrzeug zur Verfügung. In Grevesmühlen deckten wir uns im Supermarkt ein. Das schöne Wetter verlangte gerade dazu im Freien zu Abend zu essen.
4. Tag
Für die nächsten zwei Tage waren Sternritte geplant. Darum müssen wir nicht ein bestimmten Ziel erreichen und hatten somit keinen Zeitdruck. Wir konnten ausschlafen und haben etwas später gefrühstückt als sonst. Es war Kaiserwetter, nur vereinzelt zeigten sich ein paar Schäfchenwolken. Der Tag stand unter dem Motto „Die Ostsee ruft“. Es waren nur noch wenige Kilometer dann breitete sich vor uns die Küste aus. Wie für uns geschaffen ritten wir am Hundestrand. Hier waren Tierfreunde unter sich. Wir hatten vor westwärts am Strand Richtung Boltenhagen zu reiten. Das Rauschen der Wellen empfanden wir als angenehm, aber unsere Pferde nicht. Die waren nicht begeistert und ließen sich so gut wie gar nicht, wenn auch nur mit den Hufen, ins Wasser führen. Leider wurde der Strand immer steiniger und wir mussten umkehren. Am Ortsausgang entdeckten wir einen Weg oberhalb an der Steilküste entlang. Er führte durch eine Schatten spendende Baumallee, nur zweimal unterbrochen durch einen Einschnitt in der Steilküste. Wir fanden es einfach geil. Nach mehreren Kilometern war der Weg plötzlich zu Ende. Uns blieb nur die Möglichkeit weiter am Feldrand entlang zu reiten. Kurz darauf erreichten wir die Straße nach Boltenhagen. Unsere Mittagespause verbrachten wir im „Tarnitzer Hof“ Dort feierte eine Gesellschaft eine goldene Hochzeit, die von Kremsern abgeholt wurden. Ein Small Talk mit dem Kutscher blieb nicht aus. Auf dem Rückweg durch Boltenhagen wurden wir angesprochen: „Ihr seht ja aus wie beim Karl-May-Fest“. Recht hatte der Mann, ein Dresdner. Elke hat an der Sternreiterparade teilgenommen. Eigentlich gehen wir nicht gerne denselben Weg zurück, aber es hat uns so gut gefallen. Doch als wir die wieder die Hauptstraße erreichten entdeckten wir einen Weg direkt zur Küste. Aber dann war er so zugewachsen, dass ein Weiterkommen auch mit Absteigen nicht möglich war. Also umkehren und den alten Weg entlang. Es muss wohl der Weg gewesen sein, der beim Hinritt plötzlich aufhörte. Elke und Peter hatten wegen des sehr guten Wetters keine Chaps angezogen, was sich dann auch rächte. Es waren aber nur kleine Blessuren. Diesen Tag saßen wir nicht so lang im Sattel wie die ersten drei Tage. Wir haben das erlebt, was wir uns erhofft hatten. An diesem Tag hatte Anita Geburtstag. Am Abend besuchte sie uns mit den Kindern.
5. Tag
Dieser Tag war als Erkundung zur Küste Richtung Wismar geplant. Der Himmel hing voller Wolken und es war kühler als gestern. Wir wollten der Karte nach einen Küstenweg nehmen. Leider versperrte uns ein Schild „Privatweg“ den Weg und wir mussten noch bis Beckerwitz Ausbau neben der Straße weiter reiten bis wir links in einen Feldweg einbiegen konnten, der uns zur Küste führte. Dort bogen wir rechts ab auf einen schönen Weg oberhalb der Steilküste. An dessen Ende mussten wir einen Campingplatz durchqueren, wir stiegen ab und führten die Pferde. Dahinter waren alle weiteren Wege mit Reitverboten ausgeschildert. Schade. Hier ließen wir die Pferde grasen. Darauf hin kehrten wir um und folgten der Küste entlang bis wir auf eine Bungalowsiedlung stießen. Darin sprach man uns an, dass dies nicht erwünscht sei und wir es nicht zur Gewohnheit werden lassen sollen. Ein kurzes klärendes Gespräch ließ alle Zweifel ausräumen. Wenig später machten wir Pause in einer Pizzeria, wo uns der einzige Regenschauer während der ganzen Tour erwischte. Das machte uns aber nichts aus, denn wir waren darauf vorbereitet. Diesmal waren zeitig zurück, so dass Tier und Mensch relaxen konnten. Dann riss der Himmel auf. Peter zauberte wieder ein schmackhaftes Abendessen, was wir im Freien genießen konnten. Am Lagerfeuer kamen wir auch wieder mit anderen Feriengästen ins Gespräch. Vielleicht sehen wir die eine oder den anderen in Louisenhof wieder.
Letzter Tag
Diesmal war zeitiges Aufstehen angesagt. Wir hatten ein letztes Ziel zu erreichen. Zunächst ging es durch Felder und Wiesen, wo wir zwei Rehen begegneten. Wir folgten dem Radweg R1. In einen Wald beäugte uns ein weiteres Reh und verschwand darin. In Redewisch wurden wir freundlich von Kindern begrüßt. Wir erreichten die Küste. Die nächsten Kilometer waren die schönsten überhaupt. Ein Trampelpfad direkt oberhalb an der Steilküste mit Blick aufs Meer. Dieser beginnt höchstwahrscheinlich schon in Boltenhagen, was einer weiteren Erkundung bedarf. Der Trampelpfad ging in einen asphaltierten Radweg über, neben dem wir auf dem Grünen weiter reiten konnten. Einen Rastplatz nutzten wir zur Mittagspause. Kurz vor dem Ende unserer Tour schwenkten wir links nach Pötenitz ein und durchquerten einen Wald, wo wir einen letzten Galopp einlegten. Unser Ziel war die Gaststätte „Zur alten Scheune“. Dort waren wir mit Anita verabredet, um uns alle abzuholen. Memie wurde als erste verladen und nach Hause gefahren. In der Zwischenzeit gab´s Abendessen bis Anita wieder zurück war. Mit der zweiten Tour fuhren wir alle nach Louisenhof und unsere Reise war nun endgültig zu Ende.
Wir werden vor allem die vielen leuchtenden Mädchenaugen, die uns immer wieder begegneten, nicht so schnell vergessen. Auch unser Outfit fand vielerorts Begeisterung. Auf die Frage nach dem Woher und Wohin gab immer ein großes Erstaunen. Wanderreiter sieht man leider viel zu selten. Zugegeben, es war ein langer Ritt, aber für uns die schönste Art „Das Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde“ zu erleben.